Case Study
Wenn 160 Jahre Baugeschichte nicht in einen Textblock passen…
Kunde
Implenia AG
Unser Service
Rapid Prototyping & Konzeption, Technische Umsetzung
Branche
Bau- und Immobiliendienstleistung
Implenia
20 Jahre Unternehmensgeschichte erlebbar machen
Implenia ist der führende Bau- und Immobiliendienstleister der Schweiz und zugleich ein Unternehmen, dessen Wurzeln weit über die eigentliche Gründung hinausreichen. Entstanden 2006 aus dem Zusammenschluss der Traditionshäuser Zschokke und Batigroup, vereint die Implenia AG die Geschichte zahlreicher Schweizer Bauunternehmen, die über Generationen Infrastruktur, Städte und Landschaften geprägt haben. 2026 feiert Implenia deshalb nicht nur 20 Jahre Bestehen, sondern blickt auf über 160 Jahre Bautradition zurück.
Genau darin lag die Aufgabe: Diese Geschichte ist nicht linear. Sie verzweigt sich, läuft parallel, fließt zusammen. Firmen entstehen, fusionieren, wechseln den Namen. Eine klassische Zeitleiste hätte all das auf eine Linie gezwungen und dabei genau das verloren, was Implenia ausmacht: die Vielfalt der Herkunft. Dazu kam der Anspruch, neben der Unternehmensentwicklung auch die Projekte sichtbar zu machen, die Implenia über die Jahrzehnte geprägt hat. Zwei Erzählstränge, ein Erlebnis.
Vom Prototyp zum Konzept
Wie sieht ein Unternehmen aus, das aus vielen Unternehmen besteht? Auf diese Frage gibt es keine fertige Antwort, also haben wir sie uns gemeinsam mit Implenia erarbeitet. Statt eines ausformulierten Konzepts gab es klickbare Prototypen, in schneller Folge und jedes Mal mit echtem Feedback.
Der erste Ansatz war eine Metapher: eine aufblühende Margerite, deren Blütenblätter die Herkunftsunternehmen bilden und sich in der Mitte zu Implenia vereinen. Schön, aber zu abstrakt für die Menge an Stationen und Jahreszahlen. Der zweite Ansatz ging in die Gegenrichtung: eine U-Bahn-artige Netzkarte mit Linien, Haltestellen und Umsteigepunkten.
Umgesetzt als horizontale Genealogie, stellt jede Linie die Geschichte eines Unternehmens dar. Jeder Zusammenfluss ist eine Fusion. Die Zeitachse bleibt lesbar, die Verzweigungen bleiben sichtbar. Und über einen Umschalter wechselt man von der Firmengeschichte in die „Stories“: thematische Spuren mit den prägenden Projekten entlang derselben Zeitachse. So haben Unternehmensentwicklung und Bauwerke ihren Platz, ohne sich gegenseitig im Weg zu stehen.



Headless im Backend. React im Frontend. WebGL im Hintergrund.
Die Seite lebt in der bestehenden Implenia-Website, nicht daneben. Die Jubiläumsseite ist als eigene TYPO3-Extension umgesetzt, und das Redaktionsteam pflegt die komplette Genealogie im gewohnten TYPO3-Backend.
Ausgeliefert werden diese Inhalte über eine JSON-Schnittstelle auf Basis der TYPO3-Headless-Extension. Das Frontend ist eine React-Anwendung, die sich per Shadow DOM in die Seite einbettet, so kommen sich Styles von Jubiläumsseite und Corporate Website nicht in die Quere. Das Layout der Genealogie wird zur Laufzeit berechnet: Linienabstände, Kurvenradien an Zusammenflüssen und Positionen der Knoten passen sich der Datenlage an.
Für die Atmosphäre sorgt eine WebGL-Ebene mit Three.js: Jede Ära hat ein eigenes Hintergrundbild, und beim Scrollen durch die Jahrzehnte wechseln sie nicht per Schnitt, sondern mit einer flüssigen Pulswelle, die vom Bildschirmzentrum nach außen läuft. Unschärfe und Übergänge laufen komplett im Shader auf der Grafikkarte. Für schwächere Geräte gibt es einen statischen Modus.
Mobil wird aus der horizontalen Karte eine vertikale Zeitleiste mit wischbaren Story-Spuren und Detailansichten im Vollbild. Dieselben Daten, dieselbe Komponente, ein anderes Layout.
EXPO REAL 2026, München
Eine Website, vor der man stehen bleibt
Eine Website erlebt man normalerweise allein. Am Schreibtisch, auf dem Handy, zwischen zwei Terminen. Auf der EXPO REAL 2026 in München stand die Geschichte von Implenia zum ersten Mal mitten im Raum: auf hochkant stehenden Stelen, vor denen man stehen bleibt, den Finger auf den Bildschirm legt und sich durch 160 Jahre arbeitet.
Dafür haben wir die Karte gedreht. Was im Browser nach rechts wächst, wächst auf der Stele nach oben. Die Inhalte sind dieselben wie im Web, die Bewegung ist eine andere: nicht scrollen, sondern durchwandern. Wer eine Station antippt, bekommt ihre Geschichte direkt neben dem Finger, in Bildern, Logos und kurzen Texten.
Für uns ist das der eigentliche Reiz dieses Projekts. Eine Erzählung, die für den Bildschirm entstanden ist, bleibt nicht im Bildschirm. Sie funktioniert in der Hand, am Schreibtisch und als Installation auf dem Messestand. So wird aus einer Website ein Ort, an dem Menschen stehen bleiben, zeigen, erzählen und miteinander ins Gespräch kommen. Web wird physisch, und 160 Jahre Geschichte bekommen eine Größe, die man spürt.
Drei Kanäle, eine Geschichte
Aus einer Frage, auf die es keine fertige Antwort gab, ist ein Format geworden, das Implenia auf drei Kanälen bespielt: auf der Website, mobil und am Messestand. Die Redaktion erweitert die Geschichte selbst, die Darstellung folgt automatisch. Und die Verzweigungen, die anfangs die größte Hürde waren, sind jetzt das, woran man die Seite erkennt.
Let's talk.
Alexander Arnold
Teamlead Web