# 30. Juni 2015

Rechtssicheres Marketing auf Instagram & Twitter – 10 Tipps vom Anwalt

Nicht nur bei Facebook wird das Thema Rechtssicherheit in Bezug auf Marketingmaßnahmen aktuell großgeschrieben. Auch bei den Plattformen Instagram und Twitter gibt es einige Punkte zu beachten, wenn es um Datenschutz und Urheberrecht geht.

Rechtsanwalt Niklas Plutte gab auf der hashtag.business Konferenz in Köln einen praxisnahen Einblick in das rechtssichere Marketing auf diesen Plattformen.

 

10 praktische Tipps für ein rechtssicheres Marketing auf Instagram und Twitter

1. Username

Bei der Wahl des Usernames gilt es, einen einmaligen Namen zu wählen. Sonst droht laut Plutte die Verletzung eines fremden Namenrechts. Ist ein Name (bürgerlicher Name, Künstlername, Firmenbezeichnung, Marke) geschützt, darf ein User diesen nicht verwenden, da es sonst zu Verwirrungen bei der Zuordnung kommen kann. Als zulässig beschreibt der Anwalt Usernamen, die einen Markenbegriff beinhalten und nennt als Beispiel den Twitternamen „@applekritiker“. Hier wird klar, dass es sich um einen Kanal handelt, der sich kritisch mit Apple-Produkten auseinandersetzt.

2. Avatar

Auch die Fotos, die für das Profilbild/den Avatar genutzt werden, dürfen keine Urheberrechte verletzten. Da hier mittlerweile häufig abgemahnt wird und auch von Dritten ins Web geladene Bilder urheberrechtlich geschützt sein können, rät Plutte, nur eigene Bilder zu verwenden.

3. Impressum

Unternehmen, die sich auf Instagram oder Twitter präsentieren, sind auch hier verpflichtet, ein Impressum auszuweisen. Während Twitter bereits ein eigenes Impressumsfeld bietet, in das ein Link zum Impressum eingebunden werden kann, müssen Instagram-Nutzer das Impressum in der Profilbeschreibung oder Websitefeld kenntlich machen, so Rechtsanwalt Plutte.

4. Schleichwerbung

Bei diesem wichtigen Punkt macht der Anwalt klar, dass im deutschen Recht das Trennungsgebot gilt, welches besagt, dass redaktionelle Inhalte von werblichen Inhalten getrennt werden müssen. Wird dieses Recht verletzt, spricht man von Schleichwerbung – der Nutzer bemerkt nicht, dass es sich um bezahlte Werbung handelt. In einem solchen Fall wird also auf Instagram oder Twitter ein auf den ersten Blick neutral wirkendes Posting mit Werbung für ein Produkt oder ein Unternehmen verfasst, ohne dass der Verfasser kenntlich macht, dass es sich um Werbung handelt, jedoch dafür bezahlt wird oder eine Sachzuwendung erhält. Vor allem sogenannte Influencer, also Personen des öffentlichen Lebens, wie z.B. bekannte Sportler oder Musiker, stehen häufig in Zusammenhang mit diesem Verbot, so Niklas Plutte.

5. Hashtags

Hashtags bieten auf Plattformen wie Twitter und Instagram die Möglichkeit der Verschlagwortung und Zuordnung von Beiträgen zu übergreifenden Themen. Hashtags sind zwar nicht urheberrechtlich geschützt, der „Erfinder“ hat also keinen Anspruch auf sie, jedoch können sie als Namen geschützt werden. Wichtig ist aber auch, dass Unternehmen nicht einfach fremde Beiträge in einem Profil posten dürfen, nur weil ein Nutzer den Firmennamen oder das entsprechende Produkt als Hashtag verwendet hat, betont Plutter. Auch Prominente müssten es nicht hinnehmen, wenn ihr Name ungefragt genutzt wird, um mit ihm zu werben.

6. Gewinnspiele

Bei Gewinnspielen auf Instagram oder Twitter ist generell auf die Teilnahmebedingungen zu achten, rät Plutte. Folgende Punkte müssen enthalten sein:

• Teilnahmeberechtigung

• Zulässige Teilnahmehandlungen

• Laufzeit des Gewinnspiels (Beginn und Ende)

• Ermittlung der Gewinner

• (Öffentliche) Benachrichtigung der Gewinner

• Haftung & Gewährleistung

• Datenschutz

Anders als bei Facebook, gibt es auf den beiden Plattformen Instagram und Twitter aktuell noch keine Beschränkungen in Bezug auf die Gewinnspiel-Mechanik.

7. Fotorecht

Wer ein Bild auf Twitter oder Instagram postet, muss das entsprechende Bildrecht besitzen und darauf achten, dass kein Persönlichkeitsrecht verletzt wird. Ein selbst geknipstes Bild ist also urheberrechtlich unproblematisch, solange es keine fremden Personen abbildet, die der Veröffentlichung nicht eingewilligt haben. Bei fremden Fotos ist ebenfalls darauf zu achten, dass im Zweifel das Urheberrecht nachzuweisen ist. Plutte betont ausdrücklich, dass beim Posten von Stockfotos geprüft werden muss, ob diese für die Social Media Verwendung zugelassen sind. Urheberrechtliche Probleme in Bezug auf Retweets und Embedding hält der Anwalt derzeit für unwahrscheinlich.

8. Urheberschutz von Tweets

Tweets, die urheberrechtlich nicht geschützt sind, können ohne Zustimmung des Verfassers weiterverbreitet werden, da sie aufgrund ihrer Kürze (140 Zeichen) nicht die nötige Schöpfungshöhe aufweisen, sagt Plutte.

9. Twitter Direct Message

Bei Direct Messages, die ein Unternehmen anderen Usern direkt in die öffentliche Timeline postet, verhält es sich wie bei E-Mail-Werbung: Handelt es sich bei einem Tweet per Definition um Werbung, muss die Einwilligung des Users vorliegen, so Plutte.

10. Twitter Ads

Seit diesem Jahr haben nun auch kleinere Unternehmen die Möglichkeit, auf Twitter zu werben. Plutte warnt vor sogenannten „Lockangeboten“, die den Nutzer in die Irre leiten. Konkret sind damit Ads gemeint, die etwas anderes anpreisen, als tatsächlich angeboten wird und den Nutzer so auf die Website locken. Aktuell sieht Twitter kein Brandbidding – Schaltung von Werbeanzeigen auf Marken der Konkurrenz – vor, wie es schon von Google AdWords bekannt ist. Eine konkrete Rechtsprechung rund um das Thema Twitter Ads gibt es momentan noch nicht, weshalb hier noch viele Punkte offen sind, so Putte.

 

10 praktische Tipps für ein rechtssicheres Marketing auf Instagram und Twitter



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