# 31. Juli 2018

Farbkorrektur und Color Grading: Warum diese Hochglanzpolitur bei Filmprojekten ein Muss ist

Die Farbbearbeitung ist ein fester Bestandteil jeder Bewegtbildproduktion. Warum das so ist und was es damit genau auf sich hat wollen wir vom LINGNER.COM-Bewegtbildteam wissen.

Christian, was genau versteht ihr unter Farbbearbeitung?
Christian Laurin: Die Farbbearbeitung ist im Anschluss an den Schnitt ein sehr wichtiger Teil der Postproduktion und besteht genau genommen aus zwei Schritten. Erstens: einer Farbkorrektur oder auch Farbanpassung. Hier werden die verschiedenen Szenen, die in unterschiedlichen Räumen, Lichtsituationen oder auch mit unterschiedlichen Kamerasystemen aufgenommen wurden so angeglichen, dass es später zu einem einheitlichen Film wird. Zweitens – und hier passiert die eigentliche Magie – das Color-Grading. Das ist der künstlerische und gestalterische Part, in dem jeder Film seinen individuellen Look, seine persönliche Stimmung erhält.

Braucht wirklich jedes Video eine solche zweistufige Farbbearbeitung?
Christian Laurin: Ja, wirklich immer. Manchmal sind die Unterschiede vom Ausgangsmaterial zum finalen Produkt sehr deutlich, manchmal sind sie subtiler, aber in jedem Fall wird das Video instinktiv als hochwertiger wahrgenommen. Anders formuliert: Eine saubere und gute Farbbearbeitung macht einen riesen Unterschied in der wahrgenommenen Qualität eines Films.

Wer am Filmset die Szenerie richtig ausgeleuchtet hat, braucht in der Postproduktion weniger farbkorrigieren, richtig?
Natalie Kölbl: Die gute Arbeit eines Kameramanns und seiner Beleuchter ist für den Coloristen in der Phase der Farbkorrektur durchaus spürbar. Die Anpassung der Lichtfarbe, der Helligkeitsverteilung und der Intensität der Farbe wird nicht nur kürzer, die Farbabstufungen und die Möglichkeiten im Color Grading sind auch größer.
Bei schwierigen Lichtsituationen lässt sich eine längere Bearbeitungszeit im Nachhinein jedoch nicht vermeiden. Besonders bei Aufnahmen, auf denen die Sonne als Lichtquelle dient. So kann es sein, dass in der einen Aufnahme die Sonne von einer Wolke verdeckt wird und in der nächsten das Sonnenlicht hindurch fällt. Bei schwierigen Verhältnissen oder speziellen Wünschen für den Look des Films gibt es bei gängigen Kameras passende Einstellungen. Dadurch wirkt das Bild sehr kontrastarm. Nach dem Schnitt werden die Farben wieder zum Leuchten gebracht.

 


Unbearbeitetes “kontrastarmes” Originalbild


Bild nach der Farbbearbeitung

Farbkorrektur ok, aber was bedeutet es nun den richtigen Look zu kreieren?
Natalie Kölbl: Mit dem Look kann man dem Film eine bestimmte Stimmung bzw. den gewünschten Touch geben. Der Look ist ein nicht zu unterschätzendes Hilfsmittel, um die Botschaft eines Films zu unterstützen. Man sollte sich auch in diesem Arbeitsschritt die Frage vor Augen führen, was der Film eigentlich ausdrücken soll.


Auszug aus der Color-Grading-Software DaVinci Resolve

Kann man mit dem Look auch das CD eines Unternehmens transportieren?
Fabian Borst: Man sollte es mit dem Look nicht übertreiben. Die Kunst liegt darin dieses Stilmittel so einzusetzen, dass es eben nicht disruptiv sondern unterbewusst wahrgenommen wird. Die Botschaft des Films zu unterstützen ist von daher seine primäre Aufgabe.
Wenn man zum Beispiel blau und orange als Unternehmensfarben hat, ist es nicht gerade förderlich alle aufgenommenen Bilder in diese Richtung zu „graden“. Das würde eher als störend wahrgenommen werden und vielleicht sogar der Botschaft entgegenwirken. Um das Corporate Design eines Unternehmens in die Bewegtbildinhalte zu transportieren eignen sich viel mehr die grafischen Elemente, wie Social Highlight Texte, die heutzutage ohnehin eine wichtige Rolle in Bewegtbildinhalten spielen.

Klingt nach einem spannenden Thema, das wir ebenfalls einmal ausführlicher betrachten sollten, aber zurück zur Farbe: Wie lange braucht man, um eine Minute Film zu optimieren?
Natalie Kölbl (lacht): Das kann man pauschal nicht sagen. Die Dauer kann sehr stark variieren und ist hauptsächlich von zwei Faktoren abhängig: Aufnahmequalität und erwünschten Look.

Geht das heutzutage nicht alles auch mit einfacheren Mitteln, siehe Instagram-Filter?
Fabian Borst: Nice Try! Instagram-Filter sind ein tolles Tool um schnelle Looks zu generieren. Doch für den professionellen Workflow ist es natürlich kein Ersatz. Zum einen fehlt der Schritt der Farbanpassung hier komplett und zum anderen ist die Auswahl der Effekte dann doch sehr begrenzt.
Was individuelle Farbbearbeitung tatsächlich ausmacht, zeigen wir gerne anhand von Beispielen in unserem Color Reel, einfach reinschauen.

Vielen Dank für diese spannenden Insights.

Christian Laurin: Produzent Bewegtbild
Fabian Borst: Kreation Bewegtbild
Natalie Kölbl: Schnitt / Filmgestaltung / Color Grading
Mareike Markheiser: Color Grading



Christian Laurin
Produzent Bewegtbild // Senior Berater
0 71 31 - 642 90 41
Christian Laurin