# 07. November 2009

noa bank: Mit Social Media aus der Vertrauenskrise?

Die noa bank will einen Kontrapunkt zum bisherigen Bankensystem setzen und nutzt dafür konsequent Social Media Instrumente

Heute erfuhr ich über Twitter von einer neuen Bank. Einer Bank, die verspricht alles anders und damit besser zu machen.
Nur konsequent, dass sie sich deshalb auch die Adresse: anderebank.de gesichert hat.

Die Bank verspricht Transparenz. Ich soll nicht nur wissen, was die Bank mit meinem Geld macht, sondern ich soll auch noch zwischen verschiedenen ethisch korrekten Anlageformen wählen können.
Das Geschäftsmodell der Bank beleuchten schon andere kompetenter als ich es vermag.

Mich fasziniert die Bank vom Marketing Standpunkt aus:

Die Noa Bank, so heißt die “andere Bank” zieht zum Start Ihrer neuen Internetseite gekonnt diverse Marketing Register.
Ein großformatiges Video, in der die Bank nicht viel weniger als die Weltrettung in Aussicht stellt, macht den potentiellen Kunden sehr emotional mit den Geschäftsprinzipien der neuen Bank vertraut.

Aber auch die Social Media Instrumente werden prominent in Stellung gebracht. Twitter, Facebook Blog und Twitter Account stehen einer Bank, die Transparenz und Vertrauen ausstrahlen will, gut zu Gesicht.

Noch stecken die genannten Kanäle in den Kinderschuhen, die vereinzelten Startinhalte lassen noch keine Rückschlüsse über die tatsächliche Diskurs- und Kommunikationsbereitschaft des jungen Unternehmens zu.

Dennoch erscheint das Kommunikationskonzept mit Sicht auf die Banken und Vertrauenskrise zeitgemäß- eine Bank, die den “Zug der Zeit” verstanden hat?

Werden sich genügend Kunden finden, die dieser Bank ihr Geld anvertrauen?

Ein schnelles Meinungsbild unter meinen Verfolgern auf Twitter ergab ein differenziertes Bild.
“…cooler Spot, aber ich bezweifle mal, dass die mein Geld vermehren.”
“…Bankvideo drückt populistisch jeden angesagten emotionalen Knopf…”
“…unter  Neuromarketing Gesichtspunkten interessant…”

Da ist schon etwas Wahres dran:
Vom Henry Ford Zitat “Wenn die Menschen verstehen würden, wie das Bankensystem funktioniert, würden sie sofort eine Revolution starten” Weiter über die Andeutung, konventionelle Banken würden durch virtuelle Wetten aus Krisen Kapital schlagen bis hin zum Fall der Berliner Mauer sind viele große Bilder zu einem gut kalkulierten Imagefilm gemixt worden.
Der Film erinnert damit etwas an die Kampagnen großer Hilfsorganisationen.

Darf eine “Weltverbesserer” Bank das? Mit Emotionen und dem Appell an das soziale Gewissen Kunden gewinnen?

Man darf gespannt sein, wie die neue Bank diese Fragen in Zukunft beantwortet.
Ich jedenfalls werde die Entwicklung dieser Bank sehr genau verfolgen. Vielleicht ensteht hier wirklich ein neuer Bankentyp, dem ich mein Geld reinen Gewissens anvertrauen kann.

Aber ist die Gesellschaft überhaupt reif für ethisches Investment? Sind die Anleger bereit, auf hohe Renditen zu verzichten?

Dieser Frage ging der  WDR im Hörspiel “CashCrash” auf den Grund:

” Endlich ist für die Finanzmärkte ein moralisches Regelwerk gefunden.
Ähnlich dem Eid des Hippokrates gilt der SiGrud-Eid (sittliches Grundgesetz des Bankenwesens).
Doch auch wenn sich die Banker den neuen moralischen Prinzipien beugen müssen, was passiert mit dem Rest der Gesellschaft?”

Im Hörspiel, so viel sei verraten, geht die Sache nicht gut aus:
„Die Krise ist dann vorbei, wenn die Gier wieder größer ist als die Angst.“

Vielleicht hat die Realität ein anderes Fazit parat.



Tobias Hurrle
Geschäftsleitung Kreation
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Tobias Hurrle