# 28. Mai 2014

Mehr als nur ein Entwicklertreffen – TYPO3camp 2014 bietet breite Plattform zum Austausch

Im Interview erzählt unser Kollege Moritz Spindler (M.S.) von seinem Besuch auf der dreitägigen Veranstaltung.

TYPO3camp

Bereits zum vierten Mal fand am vergangenen Wochenende das TYPO3camp Stuttgart an der Universität Hohenheim statt. Was genau können sich unsere Leser darunter vorstellen? TYPO3 Entwickler vor imposanter Schloss-Kulisse?

M.S.: Es war definitiv mehr als das! Das TYPO3camp bietet eine Plattform zum Austausch für Entwickler, aber auch für alle anderen, die mit dem CMS in Berührung kommen. Es werden die unterschiedlichsten Themen rund um das System selbst und dabei natürlich auch die Programmierung und Weiterentwicklung diskutiert. Toll fand ich, dass die Vorträge in beide Richtungen gelenkt waren – Es gab einerseits Sessions, in denen Experten ihr Wissen weitergaben, andererseits wurden Themen diskutiert, bei denen andere Teilnehmer ihre Fragen formuliert haben, zu denen sie Unterstützung benötigten.

Du warst zum ersten Mal bei einem Barcamp, wusstest also nicht, was auf dich zukommt. Wie war dein erster Eindruck?

M.S.: Das Get-together am Freitag konnte ich für ein erstes Kennenlernen mit Entwicklern und anderen Projektleitern nutzen. Interessant fand ich vor allem das Konzept des Barcamps. Es werden lediglich die Timeslots in der Agenda festgelegt, während die Teilnehmer die Themen im Rahmen der gemeinsamen Sessionplanung vorschlagen und Fragen stellen. Auf diesem Weg kommen interessante Beiträge aber auch Probleme auf den Tisch, die gemeinsam gelöst werden können. Schön war auch, dass es neben dem technischen Schwerpunkt dennoch einige Alternativ-Vorträge zu Projektthemen gab.

TYPO3camp

Ein großes Thema für das Projektmanagement ist ja momentan das TYPO3 Update von der Version 4.X auf 6.X. Was wurde hierzu erzählt?

M.S.: Das Update ist ein Thema, das die TYPO3 Community momentan sehr beschäftigt. Dabei suchen die Teilnehmer natürlich nach Optimierungspotenzial. Interessant war neben anderen Punkten die neue Möglichkeit, mit dem Update auch eine Responsive Preview im Backend zu erhalten. Hierauf bin ich sehr gespannt. Neu ist auch FAL (File Abstraction Layer), der die Extension DAM für TYPO3 6.2 ablöst, und zur besseren Dateiverwaltung dient. Optimal ist, dass die ganzen Nutzerrechte bestehen bleiben können, da hier von unserer und auch von Kundenseite viel Arbeit in entsprechende Konzepte investiert wurde.

Neos, das neue Produkt aus dem Hause TYPO3, ist gerade in aller Munde. Auch auf dem Camp?

M.S.: TYPO3neos ist definitiv auf der Überholspur. Momentan gibt es sicherlich noch einige Baustellen, wie zum Beispiel die Userrechte, die Mehrsprachigkeit und manche Module, die wir aus der aktuellen TYPO3 Umgebung kennen, jedoch gibt es schon erste Projekte, die aktuell damit realisiert werden. Hierzu wurde etwas aus dem Nähkästchen geplaudert. Das Interessante an Neos ist, dass jeder Entwickler in seinem eigenen Workspace arbeitet, das schafft Unabhängigkeit in Bezug auf das Gesamtprojekt. Die Editing-Funktionen sind hochgradig individualisierbar. Somit hat jeder Redakteur die Möglichkeit, sich eine individuelle Arbeitsoberfläche auf seine Bedürfnisse anzupassen. Außerdem wartet Neos mit einem optimierten Cacheingverhalten auf und bietet eine in Packages strukturierte Anwendung, die sowohl übertragbar, als auch versionierbar ist.

Mein Fazit: Hier ist momentan einiges im Gange. Neos steckt derzeit vielleicht noch in den Kinderschuhen, sollte man auf jeden Fall für kommende Projekte berücksichtigen und kann sich zu einer interessanten Alternative entwickeln.

Am zweiten Tag des Barcamps stand das Testing-Tool „Selenium“ auf der Agenda, das für Webanwendungen genutzt wird. Welche Vorteile bietet eine solche automatisierte Testumgebung?

M.S.: Auf lange Frist gesehen sind automatisierte Funktions-Tests auf jeden Fall arbeitserleichternd, da hierdurch manuelle Aufwände leicht eingespart werden können. Wichtig ist hierbei, dass das Aufsetzen entsprechender Testszenarien schon während der Entwicklungsphase eines Features o.Ä. miteingeplant wird; während das nachträgliche Einrichten solcher Tests für bestehende Websites und Funktionen – je nach Komplexität – einen entsprechend großen Umfang mit sich bringen können. Eine einmal eingerichtete Testreihe kann im Konstrukt weiter wachsen, d.h. im Falle einer Weiterentwicklung wird das Testskript entsprechend ergänzt. Das Einrichten der Testfälle ist aus meiner Sicht definitiv Sache der Entwickler, für uns Projektleiter war es hingegen interessant zu sehen, wie die einzelnen Schritte eines Szenarios beim Durchlauf (im besten Fall) allmählich alle grün dargestellt werden.

Was verbirgt sich hinter dem geheimnisvollen Namen „Trello“?

M.S.: Hierbei handelt es sich um ein Tool zur Organisation von Aufgaben und Prozessen. Trello ist in der sehr umfangreichen Basisversion unter www.trello.com sogar als Freeware erhältlich. Teilweise ersetzt dieses Tool die Aufgaben eines kompletten Tickesystems. Manche Unternehmen setzen bereits komplett auf das sehr leicht bedienbare und optisch ansprechende Tool. Durch die Endgerät-unabhängige Usability mit selbsterklärendem Drag & Drop Mechanismus wird es einfach, verschiedene Projekte und Aufgaben in allen Phasen und Zuständen zu verwalten.

Ich persönlich finde es ein schönes Tool, das für aber eher für die private Nutzung in Frage kommt. Mankos sind aus meiner Sicht, dass über Plugins zwar eine rudimentäre Zeiterfassung möglich ist, aber eine Zuordnung auf Projektebene (noch) fehlt. Wichtig zu erwähnen ist auch die Speicherung aller Daten in der Cloud, was sicherlich auch nicht mit jeder Datenschutzvereinbarung der Kunden zu vereinbaren ist.

TYPO3camp

Wir haben jetzt schon eine ganze Menge über aktuelle Entwicklerthemen gehört. Was wurde im Bereich Projektmanagement diskutiert?

M.S.: Hier gilt nach wie vor: Es gibt kein richtig und kein falsch, sondern am Ende nur zufriedene oder unzufriedene Kunden. Jedes Projekt ist unterschiedlich, deshalb kann nach keinem stringenten Strickmuster verfahren werden. Jeder muss seine eigene Methode und Technik finden. Als hilfreich hat es sich jedoch erwiesen, schon bei der Projektanbahnung ein Kernteam festzulegen und sowohl Grafik als auch Entwicklung bereits vor dem offiziellen Kickoff-Meeting mit ins Projekt einzubeziehen.

Schön beschrieben wurde auch das altbekannte Spannungsfeld „gut – günstig – schnell“. Alle drei Faktoren sind in den seltensten Fällen in einem Projekt zu realisieren. Das sollte den Parteien auf beiden Seiten klar sein. Diskutiert wurde außerdem das Thema Teamführung. Hier waren sich alle einig: Soft-Skills wie Ansporn, Selbstbestimmung und Wertschätzung sind ausschlaggebende Faktoren, die Mitarbeiter motivieren und auf lange Frist gesehen ein zufriedenes Team bilden.

Wie meditativ wurde es eigentlich bei der eher projektorganisatorischen Session „Zen IT“?

M.S.: Im Vortrag selbst haben wir zwar nicht meditiert, aber es ging schon in diese Richtung! Im Stuhlkreis haben wir gemeinsam Faktoren identifiziert, die von den eigentlichen Kernaufgaben am Arbeitsplatz ablenken. Man kennt das ja: Das Telefon klingelt, eine neue Email geht ein oder es steht jemand in der Tür und schon wird der persönliche Workflow unterbrochen. Deshalb ist es sinnvoll, sich von Störquellen frei zu machen, diese außer Reichweite zu legen, das Telefon umzuleiten, Messenger wie Skype auszuschalten und sich aktiv für bestimmte Aufgaben zurückzuziehen. Ich möchte hierzu auch zukünftig öfters unser LINGNER.LAB nutzen. Und das lohnt sich – denn es dauert gut und gerne mal 30 Minuten, bis man nach einer Unterbrechung wieder richtig bei der Sache ist. Kostbare Arbeitszeit geht so unnötig verloren. Interessant fand ich auch die These, dass mein Arbeitsplatz mein Inneres widerspiegelt und beide Faktoren sich gegenseitig bedingen. Ordnung am Arbeitsplatz sorgt also auch für die nötige Ordnung im Kopf. Mitgenommen habe ich aus diesem Vortrag vor allem, dass es betriebswirtschaftlich viel effizienter ist, als Projektleiter die Kollegen der Entwicklung und Grafik möglichst ungestört arbeiten zu lassen und mir erst zu überlegen, ob meine Frage wirklich jetzt sofort beantwortet werden muss, oder ob ich sie mit etwas Denksport auch eventuell selbst lösen oder zumindest für später bereithalten kann.

Wie lautet dein abschließendes Fazit zum TYPO3camp 2014?

M.S.: Meine ursprünglichen Erwartungen an das Wochenende wurden ganz klar übertroffen. Es war ein sehr intensives und vielseitiges Camp. Durch die offenen Dialoge und Diskussionen anstelle von langweiligen Vorträgen auf Distanz habe ich viele neue Einblicke in das breite TYPO3 Themenspektrum erhalten. Beiträge wie etwa zum Zen-Working haben mir gezeigt, dass es sich lohnt gegenüber Neuem und Alternativen aufgeschlossen zu sein, denn auch solche Themen sind ein wichtiger Bestandteil der Zukunftskommunikation.

Alle Tweets zum Nachlesen: #t3cs14



Moritz Spindler
Senior Berater
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Moritz Spindler