# 28. Juli 2015

Live-Streaming-Apps in der Unternehmenskommunikation – Periscope und Meerkat im Vergleich

Persicope und Meerkat im Vergleich

Nachdem im Frühjahr 2015 auf der Digitalmesse South by Southwest die Live-Streaming-App Meerkat vorgestellt wurde, entstand ein großer Hype um die App – Sehr zum Leidwesen von Twitter, auf deren Nutzer die App nämlich zugreift. Und so akquirierte der Kurznachrichtendienst kurzerhand das von Kayvon Beykpour und Joe Bernstein gegründete Unternehmen Periscope und brachte im März seine eigene mittlerweile sehr erfolgreiche Video-Live-Streaming-App auf den Markt.

Wie funktionieren Video-Live-Streaming-Apps und was können sie?

Das Prinzip ist einfach: Periscope und Meerkat ermöglichen dem Nutzer über das Smartphone aufgenommene Videos während der Aufnahme direkt online zu übertragen, wo sie sowohl am Smartphone, als auch am Desktop angesehen werden können. Um Zuschauer anzuwerben, können die Links zu den Live-Streams in Twitter-Tweets eingebettet werden. Während des Streams können diese dann Kommentare abgeben oder „liken”. Der Video-Filmer erhält außerdem Informationen über seinen Stream z.B. über Zuschauerzahlen, „Likes“ usw. Bei Meerkat werden diese Infos währen des Streams angezeigt, bei Periscope erst hinterher. Videos können dabei nur im Hochformat aufgenommen werden.

Wie unterscheiden sich Periscope und Meerkat?

Periscope & Meerkat im Vergleich

Ein weiterer wesentlicher Unterschied liegt im Design: Während Periscope auf ein schlichtes, einfaches Design setzt, packt Meerkat viele Details mit ins Bild.

 

Welche Video-Live-Streaming-App eignet sich besser für die Unternehmenskommunikation?

Obwohl beide Apps ihren ganz eigenen Charme haben, eignet sich Periscope für die Unternehmenskommunikation deutlich besser:

1. Periscope-Live-Streamings werden im Gegensatz zu Meerkat-Videos 24 Stunden lang gespeichert, wodurch auch im Nachhinein noch Kunden beworben werden können und somit ein höheres Maß an Resonanz erreicht werden kann.

2. Jeder kann Periscope-Videos im Browser ansehen, auch ohne bei Twitter registriert zu sein, was den Vorteil bietet, das eine größere Zielgruppe erreicht werden kann.

3. Während der Screen bei Meerkat relativ überladen ist, besticht Periscope durch sein schlichtes, übersichtliches Design. Dadurch vermittelt die App auch den Eindruck von Professionalität und ist gerade deshalb für Unternehmen zu empfehlen.

Wie sieht die Rechtslage aus?

Die Technik ist neu und darüber hinaus flüchtig. Darum ist das Rechtsrisiko (derzeit noch) als gering einzustufen. Trotzdem gibt es einige Punkte, die zu beachten werden sollten:

1. Werden in dem Live-Streaming Personen gezeigt, die individuell erkennbar sind, so ist deren Einwilligung notwendig. Handelt es sich bei den Personen um Mitarbeiter aus dem eigenen Betrieb, so muss die Einverständnis – laut neuer Entscheidung des Bundesarbeitsgerichts – auch in schriftlicher Form eingeholt werden. Da es sich um bei Meerkat und Periscope um Live-Streaming-Apps handelt, sind sämtliche Einverständniserklärungen vorab und nicht erst im Nachhinein einzuholen.

2. Wenn Musik im Video vorkommt, die kein „unwesentliches Beiwerk“ darstellt, also im Video z.B. als Unterlegung deutlich erkennbar gespielt wird, braucht es dafür die Lizenz der Gema.

Konkrete Tipps für die Verwendung von Video-Live-Streaming-Apps

Ziel von Kampagnen mit Live-Streaming-Apps sollte sein, den Zuschauern einen möglichst authentischen Eindruck zu vermitteln, ganz nach dem Periscope-Slogan: „Explore the world through someone else‘s eyes“. Auffällige Inszenierungen sind daher fehl am Platz.

Ankündigungen über geplante oder aktuelle Live-Streams sollten nicht ausschließlich auf Twitter, sondern auch in anderen Social Networks geschaltet werden, da auch Personen, die weder bei Twitter noch bei Periscope registriert sind, online auf das Video zugreifen können. Somit wächst die Wahrscheinlichkeit höhere Zuschauerzahlen zu erreichen.

Zittern und Glitches sollten zwar weitestgehend vermieden werden, sind aber natürliche Nebeneffekte der App und als solche auch akzeptiert. Außerdem machen solche kleinen Pannen menschlich und sympathisch.

Best Practice Beispiele – In diesen Unternehmen kommt Periscope bereits zum Einsatz

Auch in Deutschland setzten Unternehmen bereits auf Periscope als Medium für Marketing-Kampagnen. So nutzt z. B. der Fernsehriese RTL bereits seit Längerem Periscope. Nicht nur um die Zuschauern einen Blick hinter die Kulissen werfen zu lassen, sondern auch zur Live-Berichterstattung oder für Interviews. Auch der der BVB nutzt die Live-Streaming-App bereits regelmäßig bei Pressekonferenzen, Vorberichterstattungen und Interviews. Ebenso der Fußballverein Schalke 04: Dieser nutzt Periscope, um über Trainingslager und aktuelle News zu berichten.

Warum Video-Live-Streaming-Apps?

  • 80% der Twitter-Nutzer sind mobil unterwegs, Video-Live-Streaming trifft somit den Puls der Zeit.
  • Da der Hype um die Live-Streaming-Apps noch relativ neu ist, besonders in Europa, und in der Marketingwelt noch kaum aufgegriffen wurde, empfiehlt es sich jetzt einzusteigen, um auch das Bild eines Up-to-date-Unternehmens zu vermitteln.
  • Das Erstellen von Videos erfordert relativ wenig Arbeitsaufwand und kann beliebig zeitintensiv sein.
  • Videos können ad libitum auch spontan erstellt werden; es wird dafür nur ein Smartphone mit der entsprechenden App benötigt.
  • Live-Streamings können einen authentischeren Eindruck von dem Unternehmen vermitteln als es zum Beispiel Bilder oder inszenierte Videos können.
  • Da sich Live-Streams durch Zittern und Glitches deutlich von inszenierten Videos unterscheiden, wirken sie ehrlicher und lassen das Unternehmen menschlicher wirken.
  • Durch die Live-Chat-Funktion entsteht Interaktivität und so kann auch auf die Zuschauer eingegangen werden (z.B. bei einem Video-Rundgang etc.).
  • Wird Periscope für die Live-Streams verwendet, können Videos bei entsprechendem Erfolg nachträglich auf anderen Plattformen veröffentlicht werden.
  • Das Risiko, dass gedrehte Videos in der Masse untergehen und keine hohen Zuschauerzahlen haben, gibt es natürlich. Gerade solange der Hype besteht sollte allerdings darauf eingegangen werden. Durch die Kurzlebigkeit haben auch wenig erfolgreiche Videos nur kurzfristige Auswirkungen.


Ruth Adami
Projektmanagement // Webbasierte Lösungen
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Ruth Adami