Wie sich kein X vor ein U vormachen lassen …

Pünkt­lich zum Jah­res­wech­sel: Ken­nen Sie schon den sozio-telekinetischen Blogosphären-Contest? Nein? Er funk­tio­niert im Grunde ganz ein­fach: Wem es gelingt, einen kommunikations-affinen Text zu schrei­ben, der völ­lig ohne das hässlich-inflationäre K.-Wort aus­kommt, der hat gewon­nen! Aller­dings: ein Quänt­chen Krea­ti­vi­tät ist dabei schon gefragt; ein ganz klein wenig kogni­tive Kom­pe­tenz muss schon vor­han­den sein, will der Pro­bant als Sie­ger aus dem Ren­nen hervorgehen.

Dabei ist die Methode, im Ziel­ein­lauf die Lor­bee­ren davon zu tra­gen, ebenso sim­pel wie anspruchs­voll und basiert zunächst auf dem indi­vi­du­el­len Ver­mö­gen, einen Begriff so lange zu wie­der­ho­len, bis er sich schließ­lich sinn­ent­leert und völ­lig absurd erschei­nend in seine Ele­men­tar­teil­chen zu zer­le­gen beginnt. Ver­su­chen Sie‘s! Set­zen Sie das Skal­pell an!

Und das geht so: Zunächst (und um im Bild zu blei­ben) strei­fen Sie sich Hand­schuhe über. Vor­zugs­weise sol­che aus Latex. Die wer­den Sie schüt­zen. Gegen Anfein­dun­gen aller Art, denn die Arbeit wird alles andere als unge­fähr­lich sein. Und: Diese Hand­schuhe wer­den Sie schüt­zen gegen den eisi­gen Wind, den das schreck­li­che K.-Wort immer wie­der ver­sucht sein wird, Ihnen ent­ge­gen zu wehen. Sol­cher­ma­ßen „prä­ser­viert“, set­zen Sie an: das Sezier­mes­ser näm­lich. Beherzt gehen Sie ans Werk; tren­nen das ein­lei­tende C vom ange­häng­ten R, legen bei­des behut­sam zur Seite und wer­fen das - den eigent­lich infektiös- ent­zünd­li­chen Pro­zess bezeich­nende - Suf­fix „isis“ betont acht­los in den Eimer. Sie beschrän­ken sich also strikt aufs Wesent­li­che: auf die Vivi­sek­tion der bei­den kleins­ten Infor­ma­ti­ons­trä­ger „C + R“. Jetzt all­mäh­lich begin­nen Sie, Herr des Ver­fah­rens zu wer­den. Jetzt wer­den Sie Regis­seur und blei­ben nicht län­ger nur teil­neh­men­der Beob­ach­ter eines ver­meint­lich destruk­ti­ven Prozesses.

Doch in die­sem Sta­dium beginnt erst eigent­lich ihre erkennt­nis­prak­ti­sche Arbeit: Sol­cher­ma­ßen von jeg­li­chem dog­ma­ti­schen Bal­last befreit, lie­gen „C“ & „R“ jetzt also peinlichst-säuberlich prä­pa­riert, iso­liert und scharf fokus­siert auf dem Objekt­trä­ger Ihrer per­sön­li­chen, von kon­struk­ti­vem For­scher­drang ange­trie­be­nen Optik.

Soweit, so gut. Die Vor­ar­bei­ten sind damit abgeschlossen.

Nun gilt Ihr Blick dem Uni­ver­sum zweier elek­tro­nen­mi­kro­sko­pisch klei­ner Quan­ten, denen allein die Kon­ven­tion der herr­schen­den Lehre einst den ener­ge­ti­schen Sta­tus von C und R ver­lie­hen hat. Jetzt erst sind Sie in der Lage, sie von den Fes­seln jeder deter­mi­no­lo­gi­schen Hypo­these zu befreien; nun sind Sie in der Lage, den Akt der Neu-Schöpfung selbst zu voll­brin­gen, weil Sie gese­hen haben, wie der eins­tige Sinn­ge­halt Ihrer Prä­pa­rate - gleich­sam unter Ihren Hän­den - gegen Null ten­diert und der ihrer Mate­rie unter­stellte Bedeu­tungs­in­halt sich quasi in Schall & Rauch auf­zu­lö­sen begon­nen hat.

Das gars­tige K.-Wort: ein Hirn­ge­spinst! Ein schie­res Kon­strukt inter­es­sier­ter Kreise! Ein men­ta­les Vakuum!“, wer­den sie zu Recht zu jubeln begin­nen und C+R als leere Gefäße zu ver­ste­hen ler­nen, die Sie, ganz Herr des Ver­fah­rens, nun neu mit Inhal­ten fül­len. Mit Ihren Inhal­ten und mit Ihrer Ten­denz. Selbst­be­wusst sich Ihrer eige­nen schöp­fe­ri­schen Kräfte besinnend.

C, R samt ihrem hoch-infektiösem Wurm­fort­satz -isis sind nicht mehr. Jeden­falls nicht mehr als eine Schi­märe, die Sie ihrer destruktiv-programmierten Hülle ent­larvt und geöff­net haben für neue Inhalte, deren Kon­sis­tenz von nun an allein Sie bestim­men werden.

C+R+ -isis mit ihrem alten Form­ge­halt ist nicht mehr. Die kri­ti­sche Masse ist vom Tisch. So (und nur so) kommt das Destruk­tive aus der Welt.

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