Was willst Du beruflich eigentlich mal machen?” …

… fra­gen Sie das doch mal eine(n) Fünfzehnjährige(n). Nur Mut ange­sichts der Unge­heur­lich­keit des Ansin­nens. Fra­gen Sie!

Und soll­ten Sie außer einem „F… you!“ oder „Verp… Dich!“ über­haupt eine Ant­wort erhal­ten, dann in 50 Pro­zent der ohne­hin dünn gesä­ten Fälle mög­li­cher­weise so etwas wie: „Irgend­et­was mit Medien“.

„Irgend­et­was mit Medien!“ Unmiss­ver­ständ­li­cher, prä­zi­ser und kla­rer kann es nicht gesagt wer­den. Logisch. Denn wenn heut­zu­tage über­haupt jemand Experte genannt wer­den kann auf dem wei­ten Feld der Kom­mu­ni­ka­tion, dann diese, unsere, die beste Jugend.

Und Recht hat sie, denn sie ist mit die­sem Berufs­wunsch nicht nur ver­dammt nah dran am Ideal vom unge­teil­ten, nicht-entfremdeten Arbei­ten; sie berührt damit den Puls der Zeit. Sie weiß, was die Stunde geschla­gen hat. Näm­lich den Glo­cken­ton der ide­en­pro­du­zie­ren­den Gesell­schaft. Oder pathe­ti­scher: den der digital-medialen Sinn­ver­mitt­lung. Und wo technisch-kommunikativ inzwi­schen (fast) alles mög­lich ist, da ist in der Tat Sinn gefordert.

Die uralte Frage also nach Form und Inhalt? Anders aus­ge­drückt: Was heißt „Social Net­wor­king“? Arbei­ten im Netz oder arbei­ten am Netz?Spinne sein am Mel­def­a­den oder Käfer in der Falle? Die neu­tralste Über­set­zung des latei­ni­schen Verbs „com­mu­ni­care“ kann diese Frage schnell beant­wor­ten: com­mu­ni­care = gemein­sam machen. Und damit bekommt die land­läu­fig meist for­mal ver­stan­dene Funk­tion des „Twit­scherns“, „Face­bookens“ oder „MyS­pa­cens“ unver­se­hens ihre inhalt­li­che Inten­sion zurück. Die Funk­tion näm­lich eines gemein­sa­men Arbei­tens an einem gemein­sa­men Pro­jekt: betrieblich-pekuniär, idealistisch-künstlerisch oder allgemeinmenschlich-kreativ.

Trotz und gerade wegen der technisch-filigranen Struk­tur der Neuen Medien: Im Mit­tel­punkt steht urplötz­lich wie­der der Mensch. So sehr die­ser Slo­gan auch schon wie­der über­stra­pa­ziert und für kri­ti­sche Ohren als völ­lig abge­schmackt daher­kom­men mag. Nicht der ideo­lo­gisch ver­däch­tige „Neue Mensch“ wird es sein; nein, völ­lig unspek­ta­ku­lär, weil fol­ge­rich­tig: der neue „Homo Faber“ - der arbei­tende Mensch also, dem Arbeit nicht län­ger als etwas Frem­des und Äußer­li­ches gegen­über tritt. Dem Arbeit als das wider­fährt, was sie unter den Rea­li­tä­ten einer arbeitsteilig-industriellen Pro­duk­tion allen­falls noch zu sein vor­gab: als das vitale Moment der mensch­li­chen Selbst­ver­wirk­li­chung. Der schöp­fe­ri­sche Mensch also, der zugleich Aus­lö­ser und Ergeb­nis ist die­ses so fas­zi­nie­ren­den Wandlungsprozesses.

Wenn Sie also dem­nächst von einer(m) Fünf­zehn­jäh­ri­gen gefragt wer­den soll­ten, was er - um Got­tes Wil­len - in die­ser ach so schreck­li­chen Welt beruf­lich mal machen soll, dann ant­wor­ten Sie getrost:

„Irgend­et­was mit Medien!“

5 Kommentare zum Artikel

  1. Jeannine sagt:

    Fein, dann hat sich seit 15 Jah­ren an der Ant­wort zu Frage bei 15-Jährigen nichts verändert.

  2. … wohl aber bei den Rat­schlä­gen der Väter!

  3. Meine Eltern waren direkt erleich­tert, als ich was mit Medien machen wollte. Vor­her wollte ich näm­lich vier Semes­ter lang was mit Poli­tik Süd­asi­ens und Eth­no­lo­gie werden.

  4. zu Tobias H.: Genau das wollte ich damit sagen! Aber ein neuer Claude Lévy-Strauss zu wer­den, wäre ja auch nicht übel gewe­sen! Nicht nur wegen der Lebenserwartung.

  5. Iwo Randoja sagt:

    Die­ser Idea­lis­mus gefällt mir: die Neuen Kom­mu­ni­ka­ti­ons­for­men sor­gen für eine Demo­kra­ti­sie­rung und Dia­lo­gi­sie­rung der Gesell­schaft, durch die das Wort “gemein­sam” eine ganz neue Qua­li­tät bekommt. Arbeit ist nicht län­ger eine Tätig­keit, die den Sinn des Lebens defi­niert, son­dern bie­tet die Chance, den Sinn des Lebens zu gestal­ten. Und da das eine wach­sende Ent­wick­lung von unten ist, wird sie zwangs­läu­fig irgend­wann auch bei denen ankom­men, die auf dem Papier für Demo­kra­tie zustän­dig sind.

    Aber ein paar Leute soll­ten schon noch backen, kochen, schlach­ten und Autogas-Anlagen ein­bauen dür­fen oder? Auch Twit­ter macht nur bedingt satt!

    ;o)

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