Ganz genau.
Eines ist jedenfalls gewiss: Wirklich gute Slogans sind zeit-los. Dazu gehört ganz nachdrücklich jener schon als genial zu bezeichnende Spruch der Betonwirtschaft (ich vermute mal) aus den 70-ern des vergangenen Jahrhunderts
„Beton - Es kommt darauf an, was man daraus macht.“
Das gilt für den (Natur-)Baustoff ebenso wie für die neuen und neuesten Medien. Janusköpfig sind sie beide in ihrer Eigenschaft als epochale Errungenschaften: als Baustoff für Bunker wie für Star-Architektur die eine; als virtuelle Weltflucht oder Medium kreativer, weil sozialer Kommunikation die andere.
Es kommt darauf an, was man daraus macht.
Beton per se ist niemals schlecht. Ein Medium ebenso wenig. Vergrub sich früher ein Kind armer Bauern tief in seine Lektüre, wurde es „Bücherwurm“ - schlimmer noch: „Leseratte“ geschimpft. Jahrzehnte später dann die elterliche Diagnose: „Telefonitis“ als adoleszente Pandemie. Und heute ist es eben das Zerrbild des dauerzwitschernden, null-eins-null-formatierten Dampfplauderers ohne Sinn und Verstand: Lost in Communication - verloren für die Welt.
Doch die Frage muss erlaubt sein: Für welche Welt eigentlich? Die, der ewig Gestrigen? Die, der selbsternannten Moralisierer; selbst dort noch, wo moralische Kategorien so was von Fehl am Platze sind wie Reißzwecken in einer Torte und letzten Endes nur als Alibi dienen für die Ignoranz der so genannten Wächter wahrhaftiger Werte?
Elektronische Medien sind wie ein Blatt weißes Papier: Potentielle Spielwiesen für kreative Gedanken und Dialoge (Liebesbriefe) oder Plattformen für Nonsense und perverses Gedankengut (extremistische Propaganda im Internet).
A propos „Propaganda“: Wen wundert, dass es die Nationalsozialisten waren, die als erste das propagandistische Potential erkannt hatten, das ihnen das noch vergleichsweise Neue Medium „Radio“ bot? Heute, 76 Jahre später, sind Radioprogramme überwiegend in die Freiheit entlassen als Medien einer pluralitisch-demokratischen Meinungsbildung. Und Unterhaltung. Eine Systemfrage also. Und die Frage nach der demokratischer Reife von Sender und Rezipient gleichermaßen. Die Frage nach unser aller gesellschaftlichen Verfasstheit.
Wagen wir zum Schluss eine These und gehen mit ihr zurück zum Totschlagargument #2 gegen die Sozialen Netzwerke, sie würden die Zeit des Users stehlen; ihn womöglich süchtig und zum Twitter- oder Facebook-Junkie machen, der völlig autistisch an den Rechner gekettet früher oder später an geistig und körperlicher Auszehrung zu Grunde geht.
Die These lautet: Social Media sind keine Zeitfresser. Ganz im Gegenteil: Sie sind Zeitbeschleuniger. Zeitkompressoren und Zeitverdichter. Zukunftsbereiter. Celluloid, auf das sich die schönsten Filmszenen belichten lassen. Oder eben Schrott aus den Niederungen unserer düsteren Triebe.
Wie bereits erwähnt:
„Es kommt eben darauf an, was man daraus macht!“


Genau, es kommt darauf an, was man daraus macht!
Man kann schon viel Zeit z.B. bei Twitter verbingen und dem endlosen Strom der Nachrichten mit stumpfem Blick folgen. Oder man versucht es mit ein wenig Zielgerichtetheit und Konsequenz, beispielsweise indem man nutzlose Followings und Follower entfernt und auf Qualität statt Quantität achtet.
Man hat sogar das Recht, auf allen Social Networks EIGENE MEINUNGEN zu äußern und nicht nur Links zu sammeln und zu verbreiten, die andere schon gesammelt und verbreitet haben. Das haben viele Nutzer allerdings noch nicht bemerkt.
Das Tolle an uns Menschen ist ja, dass wir uns entscheiden können, was wir tun (zumindest ist es so von der Natur vorgesehen). Die “Verdummungstheorien” gehen davon aus, dass man widerstandslos dahintreibt, unreflektiert konsumiert und alles mit sich geschehen lässt. Das passiert auch. Aber es muss nicht passieren. Wir haben es in der Hand.
Tschaka … sei stark … auch Du kannst es!!!
;o)