…die Corporate Website.
So oder so ähnlich lesen sich zahlreiche Quo Vadis Corporate Website Artikel.
Doch ist die Corporate Website wirklich tot?
Ich meine Jain!
//Dieser Artikel ist Teil unseres “BlogCountdown Experiments”: Kollege Christian Laurin und ich haben jeweils 60min Zeit einen Blogartikel zu verfassen. Die Uhr tickt.//
Es gibt sie, die extremen Ansätze: Weg von der Webseite hin zur bloßen Markenkoexistenz im Social Web.
Sprich die Marke im Netz ist nur noch das, was der Nutzer sagt was die Marke ist. Warum dann dem Kunden nicht auch auf der Corporate Website das Feld überlassen?
Als Beispiel dafür z.B. muss oft die Seite von BooneOakley herhalten, deren Website sich komplett in einem Youtube Video abspielt.
Oder der Süßwarenhersteller Skittles der seine Website nur noch als eine art “Social Media Hub” verstand. Verstand?
Ja denn offensichtlich ist dieses Experiment beendet. Nur noch nutzergenerierte Inhalte auf den eigenen Seiten zu zeigen mag auf Dauer nicht der Weisheit letzter Schluss gewesen sein.
Langweilig wird es bei Skittles.com dennoch nicht: Die Website ist nun eine “Endlosschleife” mit allerhand schrägem Content der die Nutzer zum Teilen der Inhalte in Social Networks einladen soll.
Ist die Corporate Website also doch nicht tot?
Nein, aber die klassische Corporate Website ist auch alles andere als lebendig.
Schon 2007 schreibt der Blog Web-Strategy
The corporate website is an unbelievable collection of hyperbole, artificial branding, and pro-corporate content. As a result, trusted decisions are being made on other locations on the internet
Dieser kontroversen Ansicht will ich nicht folgen:
Das obige mag vielleicht für die klassischen Corporate Websites gelten, deren Inhalt wenig mehr als die Firmenbrochure darstellt. Aber selbst das halte ich für legitim.
Schließlich erwartet auch niemand das Visitenkarten aufzählen was man alles nicht ist und nicht kann.
Ich teile hier vielmehr die Meinung von Stephan Eichenseher der schreibt:
Die Corporate Website ist lebendiger Ankerpunkt für die Interaktion mit den verschiedenen Nutzergruppen im Netz.
Moderne Markenführung im Netz ist demnach weit mehr als das Gestalten einer schicken Corporate Website.
Heute noch ist die Suche Ausgangspunkt annähernd 90% aller Webaktivitäten. Marketingabteilungen tun also Recht daran ein Auge auf die Suchmaschinen Platzierung zu haben.
Aber was, wenn die Suchmaschinen an Bedeutung verlieren, so wie einst die Portale der Telkos ihre Relevanz als Einstieg ins Netz verloren?
Aber genau hier könnte meines Erachtens auch der Paradigmenwechsel stattfinden:
In manchen Bereichen beginnt Facebook Google als Top Referrer den Rang abzulaufen. Schon jetzt ist Facebook unter den Top5 der meistbesuchten Webseiten der Welt.
Nach Inhalten im Web wird in Zukunft vielleicht weniger gesucht werden, sondern wir lassen uns von Empfehlungen durchs Netz treiben.
Aus dem Englischen taucht in diesem Kontext häufig der Begriff “Serendipity” zu dt. Serendipität auf. Also frei übersetzt das eher beiläufige, zufälligen aufstöbern relevanter Information ohne das aktiv danach gesucht wird.
(Der Begriff “Serendipity” wurde 2004 zu einem der Top10 am schwierigsten zu übersetzenden Begriffe gewählt. Auch ich mache hier eine unglückliche Figur)
Abstrakt? Ein Beispiel.
Früher:
Vor ein paar Jahren hatte ich mir eine umfangreiche Sammlung von RSS-Feeds abonniert. Diese informierten mich über das neueste aus ca. 200 unterschiedlichen Quellen im Netz.
Ich verbrachte viel Zeit damit, mir aus dem Strom der eingehenden Headlines das interessanteste herauszupicken. Fand ich etwas interessantes informierte ich Freunde und Kollegen per Email.
Heute?
Heute weist dieser Reader tausende ungelesener Einträge auf. Seit ich Twitter nutze ist der Reader auf dem Abstellgleis.
Auch über Twitter bekomme ich jeden Tag hunderte Nachrichten zugespielt. Nur wenn ein Tweet mein Interesse weckt lese ich den verlinkten Artikel.
Wo ist der Unterschied?
Der Mensch hinter dem Tweet macht den Unterschied. Im Laufe der Zeit lernt man die Absender einer Nachricht immer besser kennen. Wenn @twilfgang etwas zum Thema Innovation schreibt finde ich das in 9/10 Fällen hilfreich.
Je intensiver man einen Twitterati kennenlernt, desto eher kann man einschätzen ob die Informationen die er für einen bereithält nützlich sein könnten. Gerade deswegen ist der so oft als “Noise” titulierter private Anteil von Tweets nicht einfach Müll.
Es hilft die Person hinter dem Account kennen zulernen und einzuschätzen.
Technokratisch ausgedrückt nutze ich auf Twitter also Menschen als Filter. Habe ich diese Filter richtig gesetzt, werde ich schon alles was für mich relevant ist mitbekommen. Etwas paradox aber es ist für mich “geplante Serependipität”
Der geneigte Leser merkt. Ich bin etwas vom Thema abgekommen, und die Stunde die ich mir für diesen Blogartikel reserviert habe ist längst ins Land gegangen.
In aller Kürze 5 Thesen:
1. Die Corporate Website ist nicht tot.
2. Die Corporate Website ist zentraler Ankerpunkt für alle Webaktivitäten eines Unternehmens
3. Auch die hochglanz Visitenkarte im Netz hat (noch) ihre Berechtigung.
4.Wer wirklich im Gespräch sein will, muss die Nähe zu den Nutzern suchen. Die sind auf Facebook und Co.
5. Zukünftige Besucherströme werden durch Gespräche und auf Empfehlung von Menschen auf Ihre Seite gelangen.

[New Post] Die Corporate Website ist tot,es lebe… - via @twitoaster http://lingner.com/zukunftskommunik...
Zu 1. Genau!
Zu 2. Ja!
Zu 3. Warum Hochglanz? Relevanter Content, Kundenorientierung und Kundennutzen entscheiden, ob Hochglanz oder nicht.
Zu 4. Noch nicht in jeder Branche, insbesondere im B2B-Bereich, da man sich dort ziemlich alleine fühlen würde.
Zu 5. D’accord. Hier entscheidet die Integration aller Kanäle.
Mal ganz pragmatisch betrachtet: Solange Soziale Netzwerke noch nicht in der Lage sind, auch sehr komplexe Websites mit hunderten von Seiten, PIM-basierten Katalogsystemen, Konfiguratoren etc. abzubilden, wird die Corporate Website ihre Existenzberechtigung behalten.
Aber wer weiß, was sich die Facebooks dieser Welt noch einfallen lassen.
Hallo Iwo,
man merkt halt wer von uns der B2B Texter ist. Du bringst das schon ganz gut auf den Punkt :-)
Zu3. Konzepterkrankheit. Wenn schon “nur” Aushängeschild: Dann bitte ein hübsches. Du hast Recht: Zielgruppengerechter Content ist mindestens genauso wichtig.
Zu4. Lässt sich auch nicht verallgemeinern. Ich glaube B2B Unternehmen unterschätzen schnell wieviel Kommunikation in Ihrer Branche stattfindet. Altbekannte Beispiele dürften hier “Miller Welding” oder eben dieses“Kugellager Beispiel” sein: http://bit.ly/E5joD Außerdem kann im B2B Bereich ein einzelner Kontakt ungleich “wertvoller” sein wie im B2C Umfeld.
Zum Pragmatismus: Auch habe ich noch kein Flickr basiertes MAM gesehen :-) Aber vielleicht tut sich da im SaaS Umfeld bald was.
Hallo Tobias,
die Idee der menschlichen Filter finde ich sehr spannend. In so fern ist es keine Abschweifung im oberen Teil, sondern eine erste Argumentation zu deinen Thesen. Ich fände es sehr spannend, über die Auswirkungen dieser Filterung auf die Corporate Website nachzudenken. Derweil reservier ich mir aufbauend auf deine Gedanken schon mal das Thema “Wird facebook die holistische Coporate Website?” für meinen nächsten Beitrag.
S*
Hallo Stephan,
ich freue mich schon auf die holistische Steilvorlage! Das Konzept der menschlichen Filter ist ja nicht neu, sondern mindestens so alt wie die Medien selbst. (siehe Journalismusdebatte) Ich denke nur, dass diese Strukturen erst durch das Social Web auch im Netz nachgebildet wurden. Auch Googles Page Rank Mechanismus bekommt mit der Social Search (http://bit.ly/YFWQQ) nun eine “soziale Komponente” und versucht das Konzept “menschliche Filter” zu berücksichtigen.
Werde ebenfalls am Ball bleiben und das Konzept “menschliche Filter” noch einmal durchdenken. Das Thema ist für die 60 Minuten Reihe doch zu komplex :-)…
[…] fragen, ob es so was wie Corporate Websites noch gibt, bzw. ob diese noch zeitgemäß sind: Die Corporate Website ist tot,es lebe… U.a. findet sich dort diese These: Die Corporate Website ist zentraler Ankerpunkt für alle […]