Alles Koyaanisqatsi - oder was?

Die nord­ame­ri­ka­ni­schen Hopi-Indianer waren wirk­lich zu bedau­ern. Als die ers­ten Wei­ßen in ihr Gebiet ein­dran­gen, mit Sack und viel Pack und noch mehr Getöse, da war für das durch­aus fried­li­che Natur­volk klar: Die sind total „Koyaa­nis­qatsi“, basta.

Ins Deut­sche über­setzt heißt die­ses Hopi-Wort schlicht, „die, die an sich sel­ber irre wer­den“ – und damit ist aus Sicht der India­ner ganz gut die Hek­tik, Auf­ge­regt­heit und das laute Kom­mu­ni­ka­ti­ons­wirr­warr beschrie­ben, mit dem die Wei­ßen aus aller Her­ren Län­der sei­ner­zeit in die Jagd­gründe der Hopi einfielen.

Auch heute lohnt ein Blick über den viel zitier­ten Tel­ler­rand, um fest­zu­stel­len, „Koyaa­nis­qatsi“ ist über­all. Vor allem in Asien, und vor allem in Korea, und da vor allem bei den Jugend­li­chen, die wie ent­fes­selt über die neuen tech­ni­schen Errun­gen­schaf­ten moder­ner Kom­mu­ni­ka­tion herfallen.

Wer in Korea etwas auf sich hält, ist mög­lichst 24 Stun­den lang ohne Unter­bre­chung online. Der ZEIT-Korrespondent Jens Uehlecke beschreibt in sei­nem Arti­kel „Total ver­netzt“ eine Jugend­kul­tur, die ängs­tigt und die – laut Trend­for­schung – dem­nächst auch nach Europa funkt.

Kom­mu­ni­zie­ren bis der Arzt kommt, könnte in Korea das Motto lau­ten. Wer als Teen­ager nicht min­des­tens alle fünf Minu­ten eine Mail schreibt, ist uncool. Out auch, wer nicht seine per­sön­li­che „Mini-Hompi“ (korea­nisch für Mini-Homepage) unter­hält und mit aller­lei Gedöns täg­lich befüllt. Damit natür­lich nicht genug. Der­lei sozia­li­sierte Teen­ager stei­gen in Asien auch nicht etwa in ein x-beliebiges Taxi, zumin­dest nicht ohne ihr Handy vor­her an die Auto­tür zu hal­ten, um sich von einem „dort ein­ge­bau­ten Chip das Unfall­re­gis­ter des Fah­rers“ auf’s Tele­fon zu laden. Man kann nicht wis­sen, safety first. Das gilt auch bei Hun­den, die man im Not­fall ein­fach übers Han­dy­hals­band ruft – „Fiffy, komm’!“

Und weil Kom­mu­ni­ka­tion Spass macht, ent­steht unweit von Seoul die „per­fekt ver­netzte Stadt“ – inklu­sive Sucht-Zentrum. Denn rund 18.000 Korea­ner müs­sen ihre patho­lo­gi­sche Internet-Begeisterung mitt­ler­weile offi­zi­ell the­ra­pie­ren lassen.

Womit wir mit Letzt­ge­nann­tem wie­der irgend­wie bei „Koyaa­nis­qatsi“ wären.

Aber wenn dem so ist, was läuft dann falsch? Kom­mu­ni­ka­tion per se ist ja nicht der Bel­ze­bub, den es aus­zu­trei­ben gilt. Als im 19. Jahr­hun­dert das Tele­fon erfun­den wurde, ist der damit ver­bun­dene nach­fol­gende Segen ja nicht von der Hand zu wei­sen. Und nur, weil es jetzt das Handy gibt, wer­den Kids ja nicht auto­ma­tisch dazu ver­dammt, um die 3000 Mails pro Monat abzufeuern.

Worum muss es also gehen? Doch min­des­tens um Augen­maß, meine ich. Was ist in punkto Kom­mu­ni­ka­tion wann, wie und in wel­chem Umfang sinn­voll? Kön­nen wir Medi­en­men­schen Ange­bote ent­wi­ckeln, die Spass machen, und doch nicht völ­lig ent­blö­den? Wie wär’s mit einem Schul­ter­schluss – einem Round Table von Itlern, Kom­mu­ni­ka­ti­ons­pro­fis und Marketingstrategen?

„Koyaa­nis­qatsi“? Nö! Viel­leicht also lie­ber „cum munis“ (lat.): Mit­ein­an­der Dienst tun.

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