noa bank: Mit Social Media aus der Vertrauenskrise?

Die noa bank will einen Kon­tra­punkt zum bis­he­ri­gen Ban­ken­sys­tem set­zen und nutzt dafür kon­se­quent Social Media Instrumente

Heute erfuhr ich über Twit­ter von einer neuen Bank. Einer Bank, die ver­spricht alles anders und damit bes­ser zu machen.
Nur kon­se­quent, dass sie sich des­halb auch die Adresse: anderebank.de gesi­chert hat.

Die Bank ver­spricht Trans­pa­renz. Ich soll nicht nur wis­sen, was die Bank mit mei­nem Geld macht, son­dern ich soll auch noch zwi­schen ver­schie­de­nen ethisch kor­rek­ten Anla­ge­for­men wäh­len kön­nen.
Das Geschäfts­mo­dell der Bank beleuch­ten schon andere kom­pe­ten­ter als ich es vermag.

Mich fas­zi­niert die Bank vom Mar­ke­ting Stand­punkt aus:

Die Noa Bank, so heißt die “andere Bank” zieht zum Start Ihrer neuen Inter­net­seite gekonnt diverse Mar­ke­ting Regis­ter.
Ein groß­for­ma­ti­ges Video, in der die Bank nicht viel weni­ger als die Weltret­tung in Aus­sicht stellt, macht den poten­ti­el­len Kun­den sehr emo­tio­nal mit den Geschäfts­prin­zi­pien der neuen Bank ver­traut.

Aber auch die Social Media Instru­mente wer­den pro­mi­nent in Stel­lung gebracht. Twit­ter, Face­book Blog und Twit­ter Account ste­hen einer Bank, die Trans­pa­renz und Ver­trauen aus­strah­len will, gut zu Gesicht.

Noch ste­cken die genann­ten Kanäle in den Kin­der­schu­hen, die ver­ein­zel­ten Star­tin­halte las­sen noch keine Rück­schlüsse über die tat­säch­li­che Diskurs- und Kom­mu­ni­ka­ti­ons­be­reit­schaft des jun­gen Unter­neh­mens zu.

Den­noch erscheint das Kom­mu­ni­ka­ti­ons­kon­zept mit Sicht auf die Ban­ken und Ver­trau­ens­krise zeitgemäß- eine Bank, die den “Zug der Zeit” ver­stan­den hat?

Wer­den sich genü­gend Kun­den fin­den, die die­ser Bank ihr Geld anvertrauen?

Ein schnel­les Mei­nungs­bild unter mei­nen Ver­fol­gern auf Twit­ter ergab ein dif­fe­ren­zier­tes Bild.
”…coo­ler Spot, aber ich bezweifle mal, dass die mein Geld ver­meh­ren.“
”…Bank­vi­deo drückt popu­lis­tisch jeden ange­sag­ten emo­tio­na­len Knopf…“
”…unter  Neu­ro­mar­ke­ting Gesichts­punk­ten interessant…”

Da ist schon etwas Wah­res dran:
Vom Henry Ford Zitat “Wenn die Men­schen ver­ste­hen wür­den, wie das Ban­ken­sys­tem funk­tio­niert, wür­den sie sofort eine Revo­lu­tion starten” Weiter über die Andeu­tung, kon­ven­tio­nelle Ban­ken wür­den durch vir­tu­elle Wet­ten aus Kri­sen Kapi­tal schla­gen bis hin zum Fall der Ber­li­ner Mauer sind viele große Bil­der zu einem gut kal­ku­lier­ten Image­film gemixt wor­den.
Der Film erin­nert damit etwas an die Kam­pa­gnen gro­ßer Hilfsorganisationen.

Darf eine “Welt­ver­bes­se­rer” Bank das? Mit Emo­tio­nen und dem Appell an das soziale Gewis­sen Kun­den gewinnen?

Man darf gespannt sein, wie die neue Bank diese Fra­gen in Zukunft beant­wor­tet.
Ich jeden­falls werde die Ent­wick­lung die­ser Bank sehr genau ver­fol­gen. Viel­leicht ensteht hier wirk­lich ein neuer Ban­ken­typ, dem ich mein Geld rei­nen Gewis­sens anver­trauen kann.

Aber ist die Gesell­schaft über­haupt reif für ethi­sches Invest­ment? Sind die Anle­ger bereit, auf hohe Ren­di­ten zu verzichten?

Die­ser Frage ging der  WDR im Hör­spiel “Cash­Crash” auf den Grund:

 End­lich ist für die Finanz­märkte ein mora­li­sches Regel­werk gefun­den.
Ähnlich dem Eid des Hip­po­kra­tes gilt der SiGrud-Eid (sitt­li­ches Grund­ge­setz des Ban­ken­we­sens).
Doch auch wenn sich die Ban­ker den neuen mora­li­schen Prin­zi­pien beu­gen müs­sen, was pas­siert mit dem Rest der Gesellschaft?”

Im Hör­spiel, so viel sei ver­ra­ten, geht die Sache nicht gut aus:
„Die Krise ist dann vor­bei, wenn die Gier wie­der grö­ßer ist als die Angst.“

Viel­leicht hat die Rea­li­tät ein ande­res Fazit parat.

8 Kommentare zum Artikel

  1. Ich würde da unter­schei­den zwi­schen der Beur­tei­lung des Mar­ke­ting­auf­tritts und dem Inhalt. Der Auf­tritt ist her­vor­ra­gend. Gutes Video, kla­rer Sei­ten­auf­bau, Mes­sage und Gestal­tung pas­sen zuein­an­der. Guter Job.
    Schwie­rig­kei­ten hätte ich mit dem Inhalt. Gene­rell halte ich es für gut, dass die Leute wis­sen worein sie inves­tie­ren und wofür. Nur ist es hier eben doch wie­der die Bank, die das vor­sor­tiert und damit Geld ver­dient. Wirk­lich (eigen-) ver­ant­wort­li­ches Invest­ment sind für mich Sachen wie Smava oder den Kin­dern in der Schule schon bei­zu­brin­gen, wie das mit dem Invest­ment so funk­tio­niert. Noa ist für mich da eher wie ein Fonds­ma­na­ger, die schnü­ren mir auch Pakete, die ich dann wäh­len darf. Ich wähle lie­ber ganz selbst.
    Irri­tie­rend finde ich aller­dings, dass gerade das Video extrem über Emo­tio­nen geht und jeden im Moment gelieb­ten Mode­be­griff ver­wen­det um das Ziel zu errei­chen. “Spe­ku­la­tio­nen”, “… ist alles vir­tu­ell”, “… ist UNSER Geld” etc. Egal ob man das alles für rich­tig hält, oder nicht, sind die puren Emo­tio­nen beim Geld nicht gerade der beste Rat­ge­ber.
    Also schlägt bei mir dann die Skep­sis durch. “Spe­ku­la­tio­nen sind für uns Tabu”: Ein Spruch der im der­zei­ti­gen Zeit­geist sicher­lich gut ankommt. Nur: JEDE in die Zukunft gerich­tete Hand­lung ist Spe­ku­la­tion, weil sie eine Wette in eine unsi­chere Zukunft dar­ge­stellt. Selbst wenn im Moment die kom­plette Medi­en­welt etwas ande­res behaup­tet.
    Und der Wider­spruch zwi­schen Ethik und Ren­dite? Das erin­nert mich an die Zeit. als Bio-Äpfel immer ver­schrum­pelt aus­se­hen musste. Das ist alles höchst rela­tiv und daher wähle ich auch da lie­ber selbst. Die dafür nöti­gen Infor­ma­tion bekomme ich auch so. Inter­net macht’s mög­lich.
    Aber wenn ich dem­nächst mal selbst eine neue Bot­schaft in die Welt tra­gen will, lerne ich gerne von die­ser Start-Kampagne :)

  2. Hi Tobi,
    Danke für den über­sicht­li­chen und infro­ma­ti­ven Blog­bei­trag. Mich inter­es­siert die Bank nicht nur aus Marketing-Sicht son­dern auch aus Management-Sicht vor allem hin­sicht­lich Cor­po­rate Social Responsi­bi­lity (CSR).

    Zunächst zur Bank:
    Hätte ich Geld, das ich anle­gen könnte (bin ein armer Stu­dent), würde ich mich mit Sicher­heit für die NOA ent­schei­den. Die tref­fen mit ihrer Vision und ihren Wer­ten abso­lut ins Schwarze. In Zei­ten, in denen man (oder zumin­dest ich, wobei ich da glaube ich nicht alleine bin) Ban­ken mehr als skep­tisch gegen­über­steht, ist man froh ein solch ver­meint­lich trans­pa­ren­tes und gesell­schafts­freund­li­ches Geld­in­sti­tut zu haben. Was NOA betrei­ben will, ist CSR nicht nur als Teil, son­dern ver­schmol­zen mit dem Kern des Unter­neh­mens. So stelle ich mir ein ide­al­ty­pi­sches gesell­schaft­lich ori­en­tier­tes Unter­neh­men vor. Dass man sich aus­su­chen kann, wohin das Geld flie­ßen soll, finde ich auch sehr anspre­chend. Dabei halte ich aller­dings Trans­pa­renz für äußerst wich­tig und hoffe, dass es eine Art Reporting Sys­tem gibt.

    Wo wir auch schon bei der Kom­mu­ni­ka­tion wären:
    Denke, dass die Kanäle sehr gut selek­tiert wur­den, um Men­schen anzu­spre­chen, die sich für eine nach­hal­tige Ent­wick­lung der eige­nen Umge­bung, der Wirt­schaft und der Welt im all­ge­mei­nen inter­es­sie­ren. Habe mich im letz­ten hal­ben Jahr auch inten­siv mit CSR beschäf­tigt und fest­ge­stellt, dass die Bran­che und deren Inter­es­sierte über­durch­schnitt­lich aktiv sind in sozia­len Netz­wer­ken und in der Nut­zung neuer Medien. Es wird NOA also nicht allzu schwer fal­len, genau diese Inter­es­sen­grup­pen zu errei­chen. Eine Her­aus­for­de­rung wird es aber sein, die­sen selbst auf­er­leg­ten Wer­ten auch gerecht zu wer­den und diese auch anstän­dig zu kom­mu­ni­zie­ren. Wie bereits oben erwähnt ist die Trans­pa­renz gerade im Bereich der CSR (oder bür­ger­li­chen Ver­ant­wor­tung, wie NOA das nennt) von äußers­ter Bedeu­tung. Wenn mich mir also schon aus­su­chen kann, in wel­che Region oder sons­ti­gen Bereich, den NOA anbie­tet, mein Geld fließt, dann möchte ich auch wis­sen, wohin genau und wer tat­säch­lich davon pro­fi­tiert. Diese Trans­pa­rent auf­zu­bauen und zu wah­ren ist bestimmt nicht ein­fach, aber eine Riesen-Chance für NOA.

    Wenn sie das Ban­ken­ge­schäft tat­säch­lich so ver­ant­wor­tungs­voll aus­füh­ren, zudem aus­führ­lich und offen dar­le­gen kön­nen, wohin das Geld fließt und dafür wei­ter­hin moderne Kom­mu­ni­ka­ti­ons­in­stru­mente nut­zen, dann pro­phe­zeie ich NOA eine blü­hende Zukunft mit vol­len Kon­ten auf grü­nen Wie­sen und ste­tig wach­sende Fan- bzw. Freundeslisten.

    Herz­li­che Grüße,
    Tobias Köhler

  3. […] heute über Tobias Hurr­les Blog­bei­trag auf den Spot der neuen, “ver­ant­wor­tungs­vol­len” Bank noa Bank […]

  4. Marc Seeger sagt:

    Also zumin­dest von den Kon­di­tio­nen die für mich rele­vant sind seh ich kei­ner­lei Unter­schiede zu mei­ner aktu­el­len Bank (ING DiBa). Das ein­zige was sich für mich ändern würde wäre der wech­sel von Visa zu Mas­ter­card.
    Der Auf­tritt scheint noch sehr “jung” zu sein, dafür wird aber auf Kanäle gesetzt die mich anspre­chen.
    Ich denke ich eröffne mal ein­fach ein Konto und schau mir mal an wie gut das Online-Banking gelöst ist… Sollte das ganze nicht nur PR sein wäre ich durch­aus bereit zu wechseln.

  5. Anna Berthold sagt:

    Die Noa Bank hat wirk­lich einen inter­es­san­ten Launch gestar­tet, geschickt ver­zahn­tes online-Marketing. Aller­dings ist das Kon­zept gar nicht so neu wie damit gewor­ben wird. Die GLS Bank zum Bei­spiel betreibt die­ses Geschäfts­mo­dell der aus­schließ­li­chen sozial-ökologischen Mit­tel­ver­wen­dung und Trans­pa­renz schon seit über 30 Jah­ren. Die Bank ver­öf­fent­licht jeden Kre­dit, den sie ver­gibt, und sogar ihre Eigen­an­la­gen im Inter­net. D.h. sie sagt ihren Kun­den schon seit Jah­ren ganz genau, was sie mit deren ange­leg­ten Gel­dern macht. Das Modell hat Erfolg. Die Bank hat kräf­tige Zuwachs­ra­ten, wie kürz­lich der Presse zu ent­neh­men war. Außer­dem ist sie bereits seit eini­ger Zeit im Web auf Twit­ter (http://twitter.com/glsbank) und Face­book unter­wegs. Soweit ich weiß war sie in Deutsch­land war die erste twit­ternde Bank.

    Inso­fern: So bahn­bre­chend neu ist also weder das Geschäfts­mo­dell, noch die trans­pa­rente Kom­mu­ni­ka­tion der “neuen” Bank. Außer­dem: Was ich auf der Home­page der Noa Bank ver­misse, ist, nach wel­chen Kri­te­rien sie ihre Kre­dite ver­ge­ben will. Weder von Positiv-, noch von Nega­tiv­kri­te­rien ist die Rede. Also doch nicht so trans­pa­rent?! Man darf gespannt sein, wie sich der neue Player im bereits beste­hen­den Markt der nach­hal­ti­gen Ban­ken in Deutsch­land behaup­ten wird und ob er wirk­lich Neues zu bie­ten hat.

  6. Klaus Madzia sagt:

    Span­nen­der Bei­trag. Ich bin mir sicher, die Bank­kun­den sind bereit für eine “andere Bank”. Es gibt neben Noa auch GLS und die Qui­rin Bank, die wir als Kun­den aktiv im Bereich Social Media betreuen. Gerade dort haben wir es mit wach­sen­den Kun­den­zah­len zu tun und viel viel posi­ti­ves Feed­back von Kun­den und Inter­es­sen­ten. Unser Aktion für eine Peti­tion gegen Ban­ken­pro­vi­sio­nen ist ein Bei­spiel für eine social media issue Kam­pa­gne.
    Mehr dazu auf
    http://www.advanto.de
    und
    http://www.provisionsverbot.de

  7. Ich nehme also mit:
    - Die Noabank hat aus Mar­ke­ting Sicht einen tol­len Start hin­ge­legt.
    - Die Noabank bringt Emo­tion ins Bank­ge­schäft
    - Der Trend “CSR” und wird kon­se­quent auf­ge­grif­fen
    - Ob die Ver­spre­chun­gen bezgl. Trans­pa­renz und Nach­hal­tig­keit ein­ge­hal­ten wer­den, wird die Zeit zei­gen
    - “Spe­ku­la­ti­ons­ver­bot” ist, folgt man den Aus­füh­run­gen von Ste­phan Magnus, ein etwas dehn­ba­rer Mar­ke­ting Begriff
    - Das eigent­li­che Geschäfts­mo­dell ist so neu nicht, und es gibt am Markt bereits erfolg­rei­che Wettbewerber

    Ich habe meine Skep­sis ob der emo­tio­na­len Anspra­che erst ein­mal bei­seite gelegt und habe ein Konto bean­tragt. Ich bin gespannt.

    Vie­len Dank für die tol­len, dif­fe­ren­zier­ten Kommentare.

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