09 Dezember 2014 Nora Kessler

Pinterest als Teil der Kommunikationsstrategie – Gewusst wie!

Neben Instagram darf sich auch Pinterest in die Liga der erfolgreichen Social Media Plattformen einreihen und den Begriffen „Visual Corporate Storytelling“ beziehungsweise „Branded Storytelling“ eine tiefere Bedeutung zuordnen. Derzeit gibt es 70 Millionen aktive Nutzer auf Pinterest, die mehr als 30 Milliarden Bilder und Videos geteilt und gelikt haben. Die Anzahl der deutschen Nutzer wird aktuell auf circa eine Million geschätzt. Auch wenn die Nutzerzahlen im Vergleich zu anderen Social Networks verhältnismäßig niedrig sind, zeigt Pinterest ein rekordverdächtiges Wachstum auf. „Pinterest ist die am zweitschnellsten wachsende Plattform weltweit.“

 

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Exkurs:        

Pinterest ist eine visuelle Form des Social Bookmarkings und setzt sich aus den englischen Begriffen „to pin“ (etwas anheften) und „interest“ (Interesse) zusammen. Die Nutzer legen demnach sogenannte „Pins“ (Bilder) an, die daraufhin in „Boards“ (Photoalben) sortiert werden. Wer sich also beispielsweise für Architektur interessiert, kann sich ein Board anlegen, in das alle passenden Pins abgelegt werden. Diese Boards können von anderen Nutzern abonniert werden. Sobald dem Board ein neues Bild hinzugefügt wurde, erscheint dies im Stream. Auch das Abonnieren von allgemeinen Accounts ist möglich.

Der Vorteil

  • Pinterest unterscheidet sich in einem wesentlichen Punkt zu anderen sozialen Netzwerken: Der (noch) nicht vorhandene Relevanzfilter. Dem Nutzer werden alle Beiträge der Personen angezeigt, denen er auch folgt. Die einzige Filterung erfolgt auf Nutzerseite und lässt sich kaum vermeiden: die Zeit. Kaum ein Nutzer wird endlos in die Newsfeed-Vergangenheit scrollen, sondern den Fokus eher auf die neusten Bilder lenken.
  • 80 Prozent aller Pins sind Repins, deswegen wird Pinterest eine sehr starke Viralität zugesprochen. Twitter verzeichnet im Vergleich gerade einmal 1,4 Prozent Retweets. Dadurch, dass jeder Repin als Backlink fungiert, erhöht sich also die Zahl der Links zu Ihrer Webseite. Betrachtet man den Durchschnitts-Pinterest-Nutzer, generiert dieser doppelt so viel Referral-Traffic als auf Facebook.
  • Pinterest entspricht der „Kultur des Mögens“ und ist demnach sehr positiv geprägt – Shitstorms oder Negativdiskussionen gibt es so gut wie nicht.
  • In sozialen Netzwerken sind Inhalte nicht von langer Wirkungszeit – die Halbwertszeit von Facebook beträgt 90 Minuten, bei Twitter sind es gerade einmal 24 Minuten. Pinterest ist anders – es gehört zu den Netzwerken, die Evergreen Content erzeugen. Zum Beispiel werden in der Einzelansicht eines Pins automatisch ähnliche Pins, Boards oder themengleiche Nutzer angezeigt. Diese „verwandten Pins“ sorgen dafür, dass Pins selbst nach Monaten beziehungsweise Jahren noch Interaktion erzeugen.

Möglichkeiten für B2B Unternehmen

Pinterest wächst und wächst. Insofern ist es verständlich, wenn Unternehmen verstärkt darüber nachdenken, wie sie dort User mit ihren Botschaften erreichen können. Auf den ersten Blick vielleicht nicht unbedingt zu erkennen, birgt Pinterest großes Potenzial für B2B Unternehmen. Neben diversen Möglichkeiten des Crowdsourcings, kann die Plattform hervorragend dazu genutzt werden, Traffic auf einer unternehmenseigenen Website oder einem Blog zu generieren. Alle Bilder werden automatisch mit einer URL der Herkunftsseite versehen, was somit für reichlich Backlinks sorgt. Viele Unternehmen haben bereits Social Plugins neben Produkten auf ihren Webseiten eingebaut, wodurch diese direkt gepinnt und geteilt werden können.


Neben herkömmlichen Pins gibt es auch sogenannte Rich Pins mit zusätzlichen…

  • Place Pins: Sie enthalten eine Karte, Adresse und Telefonnummer als zusätzliche Informationen.
  • Article Pins: Sie enthalten zusätzlich eine Überschrift, den Autor und eine Beschreibung.
  • Product Pins: Diese zeigen einen Echtzeitpreis, die Verfügbarkeit und den Shop an. Besonders interessant: Fällt der Preis des gepinnten Produkts, wird der Pinner benachrichtigt.
  • Recipe Pins: Die Zusatzinformationen bestehen hier aus den Zutaten, der Kochzeit und Informationen zum Servieren. Verschiedene Filter, zum Beispiel für vegane Kost, berücksichtigen die Präferenzen der Nutzer.
  • Movie Pins: Diese zeigen die Schauspieler, Filmbewertungen anderer Nutzer sowie die Altersfreigabe des Films an.

Ein Paradebeispiel für eine gelungene Performance aus dem B2B-Bereich ist General Electric. Der Unternehmens-Account hat seine Boards mit aufbereiteten Werbeplakaten, Infografiken und Zitaten rund um die Technikwelt sowie vielen privaten Einblicken der Mitarbeiter befüllt. Zusätzlich agiert das Unternehmen überaus dialogorientiert und zeigt, wie attraktiv sich ein B2B Unternehmen auf dieser Plattform darstellen kann.

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Promoted Pins

Seit September 2013 gibt es Promoted Pins, die bisher jedoch nur größeren US-Konzernen vorbehalten sind. Kaum eine andere Plattform kennt die Interessen seiner Nutzer so gut wie Pinterest. Jeder Like, Pin, Repin, Kommentar sowie jedes themenspezifische Board wird einer Kategorie zugeordnet, was ein detailliertes Interessenprofil des Nutzers anlegt. Auf diese Weise lassen sich Promoted Pins zielgruppenspezifisch aussteuern – die Streuverluste sind verhältnismäßig niedrig. Die Promoted Pins werden auf der Startseite von Nutzern, über die Suchresultate oder als Vorschläge ausgegeben. An der Seite des Pins ist ein Promoted-Label sichtbar. Auf diese Weise soll der Pin als Werbung erkennbar sein ohne die „user experience“ negativ zu beeinflussen.

 

Nützliche Tipps

  • Der „About“-Bereich des eigenen Accounts sollte sorgfältig ausgefüllt werden. Da dieser Text im Kopf der Seite angezeigt wird und von Suchmaschinen gelesen wird, sollten wichtige Keywords verwendet werden.
  • Beim Repinnen machen sich die wenigsten Nutzer die Mühe, eine Beschreibung hinzuzufügen. Meist wird die bereits bestehende Information vererbt. Daher sollten Unternehmen selbst eine kurze und prägnante Überschrift definieren, bestmöglich mit einer Ziel-URL.
  • Verbinden Sie Ihren Pinterest-Account mit anderen sozialen Netzwerken. Beispielsweise kann auf Facebook ein eigener Pinterest-Reiter integriert werden.
  • Die Bildqualität ist besonders wichtig und sollte daher sehr hoch sein.
  • Die Nutzung von Rich Pins ist für Unternehmen unumgänglich und hilft, den Traffic kontinuierlich voranzutreiben.
  • „Wir senden nicht nur, wir hören auch zu“ – auch Pinterest ist ein soziales Netzwerk, bei dem die Kommunikation im Vordergrund steht. Daher ist es empfehlenswert, seinen Followern zurückzufolgen und aktiv in den Dialog zu gehen.
  • Videos sind auf Pinterest weniger verbreitet. Insbesondere für B2B Unternehmen eigenen sich in diesem Fall Anleitungen mit praktischem Nutzen.

 

Fazit:

Obwohl die Nutzerzahlen von Pinterest, insbesondere auf dem deutschsprachigen Markt, noch verhältnismäßig niedrig sind, gewinnt das Netzwerk in der Kommunikation deutscher Unternehmen stetig an Bedeutung. Der noch nicht vorhandene Algorithmus sowie die Möglichkeit für Evergreen Content schaffen für Unternehmen einen besonderen Mehrwert. Um den First-Mover-Effekt zu nutzen, sollte Pinterest in die Kommunikationsstrategie eines Unternehmens mitaufgenommen werden.

 

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