24 August 2015 Stefan Lingner

Moderne Ideen-Werkstatt trifft auf klassizistische Villa Mertz – LINGNER.COM setzt mit modularem Anbau architektonisches Highlight in Heilbronn

Moderne Ideen-Werkstatt trifft auf klassizistische Villa Mertz – LINGNER.COM setzt mit modularem Anbau architektonisches Highlight in Heilbronn

Selten vereint ein Gebäude so viel Historie und Zukunft in sich wie die Villa Mertz in Heilbronn. Direkt an der Neckarpromenade, am Tor zur Innenstadt gelegen ist das denkmalgeschützte Gebäude mit großem Garten ein Blickfang – seit seiner Erweiterung durch den modernen Anbau LINGNER.WERK 1 umso mehr. Im Kontrast zwischen Moderne und Klassik dient der außergewöhnliche Neubau dem wachsenden Team von LINGNER.COM mit aktuell 32 Mitarbeitern als zusätzlicher Arbeitsraum und Ideen-Werkstatt.

 

 

Baulücke geschlossen

Das architektonische Highlight, entworfen von Philipp Architekten, hebt sich äußerlich durch seine matt-schwarze Farbe und die moderne Modulbauweise, innen durch sein kreativ-rustikales Design mit Werkstatt-Charakter von den historischen Gemäuern ab. Gleichzeitig nähert sich das Gebäude mit dieser Neuerung seinen baulichen Ursprüngen im Jahr 1811 an, indem sie eine Baulücke aus dem Wiederaufbau nach der Zerstörung im zweiten Weltkrieg schließt.

Die Veränderungen werden im direkten Vergleich der Frontansichten deutlich:
(Zum Bewegen des Vorher-Nachher-Sliders das weiße Rechteck unten im Bild ziehen)

 

 

 

Anbau trotz Denkmalschutz

Die Konzeption und Umsetzung des Anbaus brachte spezielle Anforderungen mit sich.

„Ein solch schönes Objekt wie die Villa Mertz zu erweitern, ist eine besondere Herausforderung: zum einen bezüglich des historischen Gesamtbilds, das am Ende nach wie vor stimmen muss, zum anderen bezüglich der notwendigen städtischen Genehmigung“, sagt Architektin Anna Philipp.

LINGNER.WERK 1 - Schnitt

Die „black box“ im Schnitt.

Da der Kubus nicht direkt mit der Villa verbunden ist und wieder abtransportiert werden könnte – im Bauordnungsrecht „fliegender Bau“ genannt – geht er mit dem Denkmalschutz konform.

Spannend gestaltete sich auch die Anlieferung des Baus. In der Nacht reiste der Schwertransport aus dem 60 Kilometer entfernten Schwäbisch Hall mit entsprechender Genehmigung über die Autobahn und vor Ort über einen schmalen Radweg am Neckar an. Ein Baukran hievte das Objekt in die Höhe und installierte es auf den Balkon auf der Südseite der Villa. Die speziellen Anforderungen wurden in guter Zusammenarbeit mit der Stadt Heilbronn und der Denkmalschutzbehörde erfolgreich umgesetzt.

Schmeichelnder Kontrast

Der Entscheidungsweg zur finalen „black box“ verlief über mehrere Entwürfe mit Kontrastfassaden. Zu auffällig sollte es aber wiederum auch nicht sein. Die Idee von verspiegelten Fenstern wurde wieder vertan, da diese bei starker Sonneneinstrahlung möglicherweise zu sehr reflektieren würden.

„Es war uns wichtig, keine zu effekthascherische Kombination zu schaffen“, sagt Stefan Lingner, Geschäftsführer von LINGNER.COM. „Vielmehr soll das Objekt dem Gebäude schmeicheln und den Wandel der Zeit unterstreichen.“

LINGNER.WERK 1 - Moodboard

Das Moodboard von Philipp Architekten zeigt verschiedene Ideen zu Kontrastfassaden.

Wandelbarer Innenraum

Die Idee des Wandels ist auch innerhalb des neu geschaffenen Südflügels spürbar – in der Funktionalität der Ausstattung. In die raumlange Werkbank – daher der Name „WERK 1“ – ist mittig ein Klapptisch eingelassen, der bei Bedarf den Weg zur Sitzbank freigibt. So ist je nach Bedarf eine Arbeitssituation mit nebeneinander positionierten Plätzen wie auch eine Besprechungssituation mit gegenüber gestellten Plätzen möglich.

Gemütliche Sitzbänke in den drei Aussichtsfenstern lassen mit Ausblick ins Grüne Raum für Kreativität. Ideen können auf der Rückwand der Eingangstüre mit Kreise auf Tafellack skizziert werden. Der rustikale Charakter ist im Großen wie im Kleinen sichtbar: vom Baumaterial Grobspanplatten, das für alle Wände und Flächen verwendet wurde, bis hin zur Kaiser Idell Scherenlampe, ein Klassiker im Bauhaus-Design.

Wandelbarer Innenraum

Nebeneinander oder gegenüber: Ein in die Werkbank eingelassener Klapptisch ermöglicht verschiedene Nutzungsmöglichkeiten. (Zum Vergrößern auf das Bild klicken)

Rückblick: Bau, Zerstörung, Wiederaufbau

Zu ihrer Bauzeit im Jahr 1811 lag die Villa Mertz noch außerhalb der Heilbronner Stadtmauer in idyllischer Lage am Rosenberg. Der Bauherr Christian Mertz betrieb hier die erste chemische Fabrik in Württemberg. Für den Bau der Villa als Wohnsitz für seine Familie hatte er den Architekten Eberhard Etzel aus Stuttgart engagiert.

Im Jahr 1944 wurde die Villa nach Familienüberlieferung durch eine Sprengbombe „fast vollständig zerstört“. 16 Jahre lang dauerte der Wiederaufbau bis das Gebäude 1960 mit geringen Veränderungen fertiggestellt wurde. Auf der Südseite wurde auf den Wiederaufbau eines Raums verzichtet, stattdessen wurde ein weitläufiger Balkon installiert. Dies ist die Fläche, auf der das LINGNER.WERK 1 installiert ist und damit den Balkon in einen nutzbaren Raum zurückverwandelt.

Auffällig ist darüber hinaus, dass das jetzige Gebäude im Vergleich zum ursprünglichen weniger hoch ist (siehe Vorher-Nachher-Slider oben). Es fehlt ein sogenanntes Halbgeschoss, keine Seltenheit bei wiederaufgebauten Gebäuden nach Kriegsende.

„Diese ‚Halbgeschosse‘ brachten wohl nicht wirklich viel Wohnraum, weshalb häufig auf sie verzichtet wurde. Sie dienten aber natürlich der Ästhetik des Baus“, sagt Annette Geisler vom Stadtarchiv Heilbronn.

Einzug von LINGNER.COM

2011 zog LINGNER.COM mit elf Mitarbeitern von seinem ehemaligen Standort Jagsthausen nach Heilbronn in die Villa Mertz. Als sich die Mitarbeiterzahl in kurzer Zeit verdoppelte, wurde mit dem LINGNER.LAB ein erster zusätzlicher Rückzugs- und Besprechungsraum in mobiler Containerform geschaffen. Dieser inspirierte zur Bauform des LINGNER.WERK 1.

Eigentümer Dr. Friedrich Mertz ist von Kindesbeinen an Zeuge dieses architektonischen Wandels: „Es ist schön zu sehen, dass Leben in der Villa herrscht und es immer weiter geht – Veränderung gehört zum Fortschritt dazu.“

Dass ein innovatives Unternehmen wie LINGNER.COM in den traditionellen Gemäuern haust, findet Dr. Mertz daher sehr passend:

„Wohnen wird in Zukunft ja immer mobiler und flexibler werden – ich freue mich, dass die Villa mit den beiden Baulösungen LINGNER.LAB und LINGNER.WERK 1 in Richtung Zukunft weist.“

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